Die Abzocke mit dem „sozialen Gewissen“ - Concept-Design Heumann
1961
post-template-default,single,single-post,postid-1961,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-10.0,wpb-js-composer js-comp-ver-4.12,vc_responsive

Die Abzocke mit dem „sozialen Gewissen“

Wie Unternehmer im Namen der Nächstenliebe missbraucht und getäuscht werden

Als Gutmenschen getarnt, zocken dubiose Firmen in Deutschland eiskalt ab. Sie gaukeln ihren Vertragspartnern vor, dass sie durch das Sponsoring anderen Menschen einen guten Dienst erweisen. Gerne sind das kleine Transporter, mit denen Älteren, Kindern, Behinderten oder sozial Bedürftigen verschiedene Wohltaten ermöglicht werden.

Dieser jeweilige gute Dienst wurde zwar in die Realität umgesetzt, dafür aber den Gönnern weitaus mehr Geld entlockt, als man für die gute Sache eigentlich benötigte.

 

Ein Beispiel: so ist es wirklich passiert

Wir haben die Sache anhand eines Beispiels hinterfragt: Eine Firma aus Bingen versandte ein Schreiben an Unternehmer aus dem rund 200 Kilometer entfernten Minden – mit dem Briefkopf eines Mindener Gymnasiums. Inhaltlich wurde für

den Erwerb eines Peugeot Experts geworben, der durch „ausgesuchte Sponsoren“ gekauft werden sollte. Zweck war der Transport der Kinder zu Wettbewerben, Fortbildungen, Theaterbesuchen oder außerschulischen Lernorten. In dem Schreiben wimmelte es nur so vor zahlreichen positiven Begriffen: Das Auto hieß „Fördermobil“, man sprach von einer „helfenden Hand“ – und dass „eine schöne Fahrzeugübergabe“ geplant sei… Gleich zu Anfang des Briefes wies man ausdrücklich darauf hin, dass sich nicht die Firma, sondern die „Kinder und Jugendlichen“ mit der Bitte an die Unternehmer wenden würden.

 

Als Gegenleistung eine Werbefläche

Als Werbeplattform wurde eine „sichtbare Fläche“ zu Preisen jährlich „ab 300 Euro“ für eine Laufzeit von fünf Jahren versprochen. Rund 40 Flächen sollte es in unterschiedlichen Größen auf dem Fahrzeug geben – und legte man nur das Minimalangebot zugrunde, kam man auf jährlich 12.000 Euro Sponsoreneinnahmen. Nach fünf Jahren sind das 60.000 Euro. So viel kostet nicht einmal ein mit zahlreichen Extras ausgestatteter Mercedes-Van. Noch nüchterner fällt die Bilanz aus, wenn man den Preis für den Peugeot Expert betrachtet. Laut Liste gibt es ihn ab 20.130 Euro; rechnen wir also etwa mit einem Anschaffungswert von 25.000 Euro. Das sind 35.000 Euro weniger als an Geld geflossen ist – oder anders gesagt: Die „Sponsoren“ hätten ohne die Vermittlung der Bingener Firma mehr als zwei Fahrzeuge dieser Baureihe erwerben können. Wer das Geld kassierte, steht wohl außer Frage. Und selbst alle Nebenkosten konnten diese Summe nicht rechtfertigen. Ein Dienst im Zeichen der Nächstenliebe war das nicht – nur einer im Sinne der Bingener Firma.

 

Unter dem Deckmantel der „guten Sache“

Dass selbst die Wirtschaft über diese Geschäftemacherei unter dem Deckmantel der „guten Sache“ nicht Bescheid weiß, zeigt ein weiteres Beispiel: Ein Mindener Renault-Händler verkaufte ein Fahrzeug an einen Sponsoring-Vermittler, der einen Kühlwagen für eine örtliche „Tafel“ benötigte. Ganz davon abgesehen, dass auch hier die Unternehmer mit ihrer erworbenen Werbefläche gnadenlos über den Tisch gezogen wurden, hatte der Renault-Händler ebenfalls nichts davon. „Wir haben nichts daran verdient“, hieß es, denn: Der Autobauer selbst sponserte noch dank aufgedrängter Nachlässe indirekt mit. Insofern war auch der Händler ein Unterstützer – allerdings mit dem Unterschied, dass der nicht auf einer dieser zahlreichen Werbeflächen des Kühlwagens zu sehen war.

 

Blindes Vertrauen

Mal ganz davon abgesehen, dass die Werbewirksamkeit durch rund 40 Mitwerbende mittelprächtiger ist bzw. eher zu Null tendiert… Es stellt sich die Frage, warum den Schmu keiner merkt. Vielleicht weil keiner nachrechnet – und blind auf die guten Absichten vertraut? Oder liegt es daran, dass im Falle des Hinterfragens unterstellt werden könnte, man habe kein soziales Gewissen? Auf jeden Fall macht auch die Presse keine gute Figur, denn sie übernimmt die von den Sponsoren-Firmen selbst verfassten Pressemitteilungen nahezu kommentarlos und unkritisch. Schlimmer noch: Auf Nachfrage verwies ein Journalist sogar darauf, dass er für diese umfassenden und unbequemen Recherchen „eigentlich keine Zeit hätte“. Und die beauftragenden Institutionen – wie Stadttheater, Schulen, die „Tafeln“ u. a.? Hier werden aus Bequemlichkeit und mangelnder Kreativität bei der Fahrzeugbeschaffung derartige Machenschaften in Kauf genommen. Es hat schon einen faden Beigeschmack, was solche Einrichtungen der Wirtschaft abverlangen.

Hier ein Beispiel:

(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Ihre Erfahrungen interessieren uns

Sie haben Ähnliches erlebt? Schreiben Sie uns und berichten von Ihren Erfahrungen:

info@concept-design-heumann.de